Nicht wenige seriöse chinesische Firmen leiden unter dem weit verbreiteten Vorurteil, lediglich billige Kopien von hochwertigen Produkten herzustellen. Über erste Autos aus dem Reich der Mitte lachten Profis und Amateure nicht schlecht. Der „Landwind“ von Jiangling etwa, äußerlich einem SUV gar nicht einmal so unähnlich, wurde vom ADAC augenzwinkernd nur Leuten empfohlen, „die auf Qualität und Sicherheit wenig Wert legen“.

Ein beherzter Griff ins Klo also. Der Sturm auf dem Neuwagenmarkt blieb aus, der Landwind verkam zum Lufthauch, dafür legten sich auf dem Sektor Unterhaltungs-Elektronik chinesische Hersteller mächtig ins Zeug und bewiesen, dass sie auf der soliden Basis von ausländischem Know-How durchaus eigene Akzente setzen konnten. Mittlerweile ist es ganz normal, dass etwa Smartphones von Huawei, iNew oder Xiaomi – technisch auf Augenhöhe mit Apple oder Samsung – das Angebot bereichern.

Ziel ist Top-Riege der Ultra-HD-TV-Hersteller

Wer sich einen Ultra-HD-TV „made in China“ zulegen möchte, kennt vielleicht TLC, bestimmt aber Hisense, falls er während der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich auch nur ganz beiläufig die Bandenwerbung registriert hat, die vom chinesischen Staatsunternehmen – eventuell sogar vom „Großen Vorsitzenden“ höchstpersönlich – auf Dauer gepachtet zu sein schien.

Mit dem großen Ziel vor Augen, in die Top-Riege der Ultra-HD-TV-Hersteller aufzusteigen, versucht Hisense mit aller Macht, sich vom Billigheimer-Image zu distanzieren. Metz ist als ehemals deutsches Unternehmen mit enormer Erfahrung und vielerlei elektronischen Innovationen im Repertoire bereits fest in chinesischer Hand, mit Loewe kooperiert man eng. Hisense-Ultra-HD-Fernseher bewegen sich auf dem Markt im mittleren bis oberen Preissegment. Bevor dieser Text zur Lobeshymne verkommt, werfe ich jetzt das Handtuch. Und prangere an, dass es eine alles andere als gute Idee ist, potentielle Käufer mit halbseidenen Tricks hinters Licht führen zu wollen!

Was, zum Teufel, soll ULED sein? Vor kurzem haben wir in einem ausführlichen Artikel die gängigen und zukünftige technische Bausteine für 4K-Fernseher vorgestellt. Als da wären: LCD (Liquid Crystal Display), LED (Light emitting diode), OLED (organische LED) und QLED (Quantum-Dot-Technologie). Mehr gibt es nicht! ULED? Ist ein alter Hut! Präziser ausgedrückt Hisenses eigenes Süppchen. Gekocht mit herkömmlichen Ingredienzien, angereichert in der Gerüchteküche, unausgegoren, mit irreführendem künstlichen Aroma. Nichts anderes als Hausmannskost.

Vorspiegelung falscher Tatsachen

Des Kaisers neue Kleider werden unter Verwendung gewöhnlicher LEDs gefertigt, man setzt aber ein „U“ davor, damit Majestät übertölpelt und nicht gewahr werden, dass es sich lediglich um die Abkürzung für „Ultra“ handelt. Hisense plustert sich mit ordinären Federn auf, die dem König – nämlich dem Kunden – falsche Tatsachen vorspiegeln, die zu nichts anderem taugen, als ihn zu verwirren. Vor allem Leute, die sich im Dschungel unsäglich vieler notwendiger oder aber absolut überflüssiger Bezeichnungen, Begriffe und Abkürzungen nicht zurechtfinden, tappen leicht in eine fiese Falle.

Sollten sie unglücklicherweise noch irgendwo im Hinterkopf abgespeichert haben, dass chinesische Elektronik preiswerter ist und die logisch erscheinende Schlussfolgerung ziehen, für vergleichsweise wenig Geld neueste OLED oder gar QLED-Technik zu erstehen, werden sie gnadenlos über den Tisch gezogen. Es ist schade, dass in Fachzeitschriften wie etwa Computer-Bild (Ausgabe 16/2016) explizit darauf hingewiesen werden muss, dass ULED nichts mit OLED zu tun hat.

Hisense, ein aufstrebendes Unternehmen mit reichlich Potential sowie dem Anspruch, ein Global-Player zu werden, stellt sich auf absolut vermeidbare Art und Weise selbst ins Abseits. Ein klassisches Eigentor, über das noch so plakative Bandenwerbung nicht hinwegtäuschen kann.