War ja klar, dass Hersteller, die mit Dolby Vision nicht viel am Hut haben, bei der CES auf den zugegeben eindrucksvollen Vortrag von Kevin Yeaman von den Dolby Laboratories knurrend und zähnefletschend reagierten.

Genau genommen, hatten die Befürworter des HDR10+ Standards jedoch schon ein paar Tage vorher eine „Allianz“ gegründet. Es gibt leider keine gute oder dunkle Seite der Macht wie bei Star-Wars. Das würde die Entscheidung pro oder contra Dolby Vision bzw. HDR10+ stark erleichtern.

Langsam wird´s langweilig

Aber im Gegenteil! Hersteller wie zum Beispiel Sony „fraternisieren“ mit „Aufwieglern“ und spendieren ihrem nagelneuen 4K Ultra-HD-Blu-ray Player demnächst ein Dolby Vision-Update. Quo vadis, ihr streitbaren Kontrast-Fanatiker? Langsam wird’s langweilig.

Wohin, außer zu permanenter Verwirrung, soll das brancheninterne Gemetzel führen? Vor allem aber: wie soll sich der brave Verbraucher, der sich lediglich einen modernen und, ähm, „zukunftsfähigen“ Fernseher wünscht, in immer verfahreneren Situationen verhalten?

Der Nächste kommt bestimmt

Wäre es vernünftig, Ratsuchenden präventiv ein Studium im Bereich Elektronik zu empfehlen? Warten wir ab bis zur IFA im September, bei der mit Sicherheit wieder irgendwer mit irgend etwas ähnlich „Revolutionärem“ zum Bild-noch-besser-machen daher kommt und den Branchenriesen begeistert in die Suppe spuckt.

Zarte Ansätze lässt diesbezüglich ausgerechnet Panasonic als Rädelsführer der HDR10+ Bewegung erkennen. Von heute auf morgen zauberte man plötzlich die LUT-Technologie (Look Up Table) aus dem Hut, die – natürlich aufwändig weiterentwickelt – etabliertenVerfahren angeblich durchaus die Stirn bieten kann.

Das Wunder aus China

Über TCL, den chinesischen Hersteller, der aus heiterem Himmel ein ganz neues HDR pries, erschrak ich nicht schlecht. Tomson Li, der Chef selbst, erkor den TCL QLED Xess X6 zu einer Art Weltwunder, das mittels HDR Premium 1500 plus Local Dimming in 600 Zonen ein Bild wie nicht von dieser Welt zu zaubern in der Lage sei.

Wir erinnern uns: Panasonic, das Filmstudio 20th Century Fox und Samsung verkündeten im Vorfeld der Consumer Electronis Show (CES) in Las Vegas Updates zum neuen HDR10+ Standard. Die drei Unternehmen begannen hurtig mit der Lizensierung von HDR10+ Produkten und Inhalten.

Das Credo der Bruderschaft

Dafür haben sie eine unabhängige HDR10+ Plattform geschaffen, die Metadaten für Content-Unternehmen, Ultra HD TVs, Blu-ray Discs, Blu-ray Player, Blu-ray Recorder und Hersteller von Set-Top-Boxen sowie SoC Anbieter lizensiert.

Credo der Bruderschaft: „HDR10+ ist ein innovativer Standard, der die technologischen Stärken von HDR nutzt, um bestmögliche Fernseherlebnisse auf die TV-Geräte der nächsten Generation zu bringen. Die Technologie optimiert durch dynamisches Tonemapping die Darstellung jeder einzelnen Szene und erzeugt leuchtende Bilder in beispielloser Qualität“.

Die Phalanx der anderen

Wer stößt für Dolby Vision genauso kraftvoll ins Horn? Kevin Yeaman von den Dolby Laboratories natürlich, der im gleichen Atemzug eine ganze Phalanx von getreuen Mitstreitern für die gute Sache herunter betet.

Beide Parteien kokettieren mit den Namen etlicher renommierter Hersteller, Filmstudios und Streaming-Anbieter, die ihre jeweilige Lösung nicht nur gut heißen, sondern sie sogar als die einzig zielführende und vernünftige Alternative bezeichnen. An beiden Fronten wird ausschließlich mit Vorteilen argumentiert, die zukünftigen Kunden zuteil werden. Nirgends beginnt der Hamster zu humpeln, um es mit Olaf Schubert auszudrücken.

Kommt es zum Gemetzel?

Ich hege die Befürchtung, dass sich der „Krieg der Kontrast-Verbesserer“ zu einem ähnlichen Gemetzel wie der Streit um die Einführung eines Videosystems Mitte der 1970er Jahre entwickelt. Sony konstatierte, dass seinem Betamax-System gegenüber der VHS-Konkurrenz in Testberichten eine bessere Bildqualität zugesprochen wurde.

Genützt hat es den selbstsicheren Japanern nichts. Die Entscheidung zwischen VHS und Betamax wurde durch Sonys rigide Lizenzpolitik herbeigeführt. Der japanische Konzern behielt es sich vor, sein Format nur Firmen zu öffnen, die bereit waren, viel Geld in eigene Produktionsstätten zu investieren.

Der Unterlegene trägt Sieg davon

Den Sieg trug aus diesem Grund das technisch unterlegene VHS-System davon. Die von JVC entwickeltenVideorecorder und Kassetten durften von Lizenznehmern in eigenen Fabriken hergestellt werden. Gleichzeitig bot das Unternehmen aber auch eine Auftragsproduktion an, was für etliche Unternehmen die attraktivere, weil billigere Variante war.

Auf diese Weise konnten VHS-Geräte in kürzerer Zeit auf den Markt gebracht werden. Die „A…-Karte“ zogen letzendlich die Nutzer der von Philips entwickelten Video-2000-Geräte. Das System wurde schnell „eingestampft“. Also Jungs: setzt euch zusammen und beruhigt euch. Alles kann gut werden.