Mich traf vor Freude beinahe der Schlag, als ich neulich erfuhr, dass die gute alte Tonband-Maschine schon in naher Zukunft ein „Comeback“ feiern wird. Wer kennt sie überhaupt noch, diese klotzigen, schweren Kästen mit den wuchtigen VU-Metern, zahllosen Schaltern, Drehreglern und Tasten?

Lange bevor Philips die Compact-Cassette präsentierte, waren Geräte von Revox, Teac, Technics , Sony, Uher, Akai oder Pioneer fester Bestandteil hochwertiger HiFi-Anlagen und zogen mit ihren großen, sich langsam drehenden Tonbandspulen die Aufmerksamkeit auf sich.

Das Tonband als Visitenkarte

Man nahm viel auf seinerzeit. LPs von Kumpels natürlich, aber auch Radio-Sendungen, Hitparaden oder Live-Mitschnitte. Nicht selten wurde anschließend stunden- bis tagelang geschnippelt und geklebt, um ein individuelles Band zusammenzustellen, das in Fachkreisen wie eine vornehme Visitenkarte gewertet wurde.

Cassettendecks machten natürlich alles wesentlich einfacher. Die Erstellung eines persönlichen Mix-Tapes für die Angeschmachtete war im Vergleich zum Procedere an der Bandmaschine ein Klacks. Wie es mit CDs, Musikdateien und Streaming weiterging, brauche ich just an dieser Stelle nicht zu erklären.

Das „Tape Project“

Dass ich meine Teac seinerzeit verhökert habe, verzeihe ich mir im Grunde heute noch nicht. Obwohl ich die unkomplizierte Handhabung moderner Technik sehr schätze und mir gar nicht vorstellen möchte, wieviel Arbeit es wäre, wieder Tonbänder zu „basteln“ und alle Nase lang hin und her zu spulen, um „richtige Stellen“ zu finden.

Als ob nichts geschehen wäre: Links der Prototyp von Ballfinger, rechts eine alte Technics RS 1500

Doch wie sich langsam aber sicher heraus kristallisiert, bin ich nicht der einzige, pardon: Spinner, auf diesem Gebiet: Wie das Magazin LowBeats berichtet, hat Dan Schmalle, Geschäftsführer von „bottlehead“, einem Do-it-yourself-Röhrenamp-Herstelle mit Paul Stubblebine und Michael Romanowski das „Tape Project“ ins Leben gerufen.

450 Dollar Festpreis

Unter http://tapeproject.com/ werden nagelneue Kopien von Mastertonbändern unter anderem von John Lee Hooker, George Shearing, oder rare Mozart Klavierkonzerte mit dem Pianisten Eugene Istomin angeboten. Die Mastertape Preise haben es erwartungsgemäß in sich. 450 Dollar pro Spule sind Standard.

Trotzdem – so schreibt Andrew Weber von LowBeats – sei die Nachfrage nach Mastertape Kopien groß und fast alle der 26 Neuauflagen bereits ausverkauft. Nicht zuletzt, weil die Macher vom Tape Project weder Mühen noch Kosten scheuten, um so nah wie möglich am Original zu bleiben. Beim Kopieren setze man auf edelste Bandmaschinen im besten Zustand (Technics RS-1500, Revox, Ampex ATR-102).

Noch näher am Original

Erneut die Frage „Wieso ausgerechnet Mastertapes?“ Klare Sache: vor dem Schneidstichel, der die Schallrillen in die Aufnahmeplatte schneidet, kommt das Tonband zum Einsatz. Wenn es darum geht, bei einer analogen Wiedergabekette näher am Original zu sein, führt eigentlich kein Weg an diesem Speichermedium vorbei. 1:1 Kopien vom Mastertape sind für viele Audiophile die Formel zur analogen Glückseligkeit.

Und jetzt kommt´s: Die Düsseldorfer Firma Ballfinger wird auf den Deutschen HiFi Tagen in Darmstadt am 21. und 22. Oktober eine neue Bandmaschine mit Direktantrieb vorstellen, die wahrscheinlich noch in diesem Jahr auf den Markt kommt.

Für Profis und Musikliebhaber

Dieses Schätzchen zum Preis von 27.900 Euro sei eine komplette Neukonstruktion, versicherte Firmeninhaber Roland Schneider gegenüber LowBeats. Die „Neue“ sei dem Prototypen M063 (Fotos) aber sehr ähnlich. Man habe sie sowohl für den professionellen Anwender, also auch für ambitionierte Musikliebhaber entwickelt.

Die Bandmaschine verfüge über ein hochdynamisches Dreimotorenlaufwerk und eine ultralineare, rauscharme Verstärkerstechnik mit geringstem Klirr. Neu sei das verwindugssteifen Aluminiumchassis. Es wurde auf der Rückseite um 25 Millimeter herausgeführt und dient als stabile Auflagefläche bei liegendem Betrieb. Um ein problemloses Kabelmanagement zu gewährleisten, ist das Anschlussterminal ebenfalls nach innen versetzt.

Klare Anordnung an der Front

Darüber hinaus lässt die klare Gestaltung der Rückseite ein freies Stellen im Raum zu. Die Maschine kann mit bis zu 38 Zentimetern Bandgeschwindigkeit pro Sekunde betrieben werden und besitzt ein hochauflösendes, digitales Zählwerk mit allen Rafinessen. Sie lässt sich mit bis zu 30 Zentimetern großen Offenwickeln betreiben und in jedes 19 Zoll-Studiorack integrieren.

Die klare Frontgestaltung geht auf das strenge Einhalten eines Gestaltungsrasters zurück. Alle Elemente für Aufnahme befinden sich rechts und für Wiedergabe links. Die Laufwerksfunktionen sind zentral angeordnet. Durch die flache Front geht das Einlegen des Bandes selbst Ungeübten leicht von der Hand.

Punktgenauer Band-Transport

Die Stopptaste gilt für sämtliche Laufwerksfunktionen und erstreckt sich über den gesamten Bereich des Tastenfeldes. Darunter befindet sich der Stellregler für die Editierfunktion: Ist diese aktiviert, sind Wickelmotoren und Wiedergabeverstärker aktiv. So kann das Band punktgenau von Hand oder per Capstanmotor vor oder zurück transportiert werden.

Das präzise Digitalzählwerk wird von einem hochauflösenden Drehencoder angetrieben und zählt die verstrichene Zeit in Stunden, Minuten, Sekunden und hundertstel Sekunden. Dabei ist der Zählerstand an die gewählte Geschwindigkeit gekoppelt. Die prozessorgesteuerte Laufwerkssteuerung verhindert jede Art von Schlaufenbildung und Bandreckung. Es kann zwischen zwei tachogeregelten Wickelgeschwindigkeiten plus Archivwickelfunktion mit erhöhtem Gegenzug gewählt werden.

Strikte Trennung

Die rauscharme Audioelektronik besteht aus einem Steckkartensystem mit sehr kurzen Signalwegen. Aufsprech- und Wiedergabeverstärker sind komplett diskret aufgebaut. Bei Aufnahme erfolgt die Entzerrung nach CCIR, bei Wiedergabe kann zwischen CCIR und NAB gewählt werden.

Ein mit Ringkerntransformatoren aufgebautes Netzteil und die räumliche Trennung von Audio- und Leistungselektronik garantieren den hohen Fremdspannungsabstand des Audiosignals von mindestens 70 dB. So kommt der Wiedergabekopf ohne mechanisch aufwändige Abschirmungen aus. Die symmetrischen Ausgangssignale können von -10 dB bis + 25 dB eingestellt werden.

Vier Jahre Anlaufzeit

Die Entscheidung, künftig auch Audiokomponenten und Antriebseinheiten zu produzieren, fiel im Hause Ballfinger anno 2013. In einer Zeit, in der bereits alles Tonale und Visuelle in ein Telefon passte und sich das breite Comeback von Vinyl abzeichnete, begann man mit der Entwicklung von Plattenspieler und Tonbandgerät.

Dabei galt viel Aufmerksamkeit der Magnetbandtechnik: Sie stellt nach Angaben des Herstellers nicht nur die höchsten Anforderungen an Präzision, Design und Herstellbarkeit, sondern ihr wird auch ein erheblicher Anteil an der Entstehung der heutigen Musikkultur zugeordnet.

Ausgangsbasis aller Tonträger

Professionelle Bandmaschinen waren bis zum Einzug der Digitaltechnik Anfang der 1990er Jahre die Arbeitsgeräte in der Musikproduktion. Als einziges Speichermedium für Musik und Sprache war diese Technik damit stets die Ausgangsbasis für alle weiteren Tonträger wie Schallplatte und Compact Disc.

Die Digitaltechnik veränderte zunächst alles, die bisher ungebrochene Aura der großen Bandmaschinen konnte sie jedoch nicht ersetzen. In vielen Bereichen der Musik ist die Magnetbandtechnik heute wieder gefragter denn je. Ihre klanglichen Eigenschaften sind nicht zu überhören und sie stellt zunehmend eine sinnvolle Ergänzung zum Digital Recording dar.

Die Körperlichkeit der Dinge

Ein meiner Meinung nach sehr gelungenes Fazit von Ballfinger: „Darüber hinaus – bei allen technischen Möglichkeiten heute und in Zukunft – ist davon auszugehen, dass wir Menschen noch lange die Körperlichkeit der Dinge immer der weitergehenden, durch technischen Fortschritt möglichen Reduktion vorziehen werden.

Denn so komfortabel und verlockend neue Technologien am Anfang immer sind: Wir wollen sehr wohl zwischen beliebiger Benutzeroberfläche und realer Substanz wählen können. Die Indizien dafür sind unübersehbar. So wird beispielsweise das gedruckte Buch immer in unseren Regalen stehen und sich die Schallplatte trotz all ihren Unzulänglichkeiten als haptisches Speichermedium höchster Beliebtheit erfreuen“.