Nach der Veröffentlichung des Artikels „UHD-Pioniere gesucht“ durften wir uns sehr über viele Kommentare von Lesern freuen, die gute, nicht so gute oder gar schlechte Erfahrungen mit dem neuen Medium Ultra-HD Blu-ray gemacht hatten. An dieser Stelle nochmals vielen Dank und ein aufmunterndes „Weiter so!“

Ganz besonders intensiv hat sich Carsten Kurte mit dem Thema auseinander gesetzt. Er ließ uns einen detaillierten Bericht zukommen, den wir unserer Leserschaft auf keinen Fall vorenthalten wollen:

Artikel von unserem Leser Carsten Kurte:

Seit Ende September 2016 bin ich der Besitzer eines Ultra-HD Blu-ray Players. In meinem Fall des Samsung UBD-K8500. Seit ich das Gerät habe, sehe ich damit Filme von 4K-Scheiben aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Kanada auf dem 4K-Fernseher Hisense H43MEC3050, einem HDR-fähigen 43-Zoll-Gerät, von dem ich beim Gucken knapp zwei Meter entfernt sitze.
Wie jeder Experte weiß, sind das relativ billige Geräte, aber gefühlt holen sie unter optimalen Umständen aus den UHD-Blu-rays heraus, was drin ist. Genau da fangen die Probleme dann manchmal an.

Besser als auf der Kinoleinwand

Grundsätzlich gibt es gar keine Frage, ob sich dieses Videoformat lohnt, was die Bildqualität angeht. Bei Filmen wie Gavin Hoods Ender’s Game von 2013, Luc Bessons Lucy von 2014 oder Bryan Singers X-Men Apocalypse von 2016 ist der Unterschied zu den auch schon extrem guten 2K-HD Blu-ray Versionen sofort offensichtlich. 4K-Auflösung und HDR bringen die Qualität, in denen diese Filme produziert wurden, noch besser heraus als selbst die größte Kinoleinwand. Wenn man einen Film also in 4K+ aufnimmt, kann man daraus eine wunderbare UHD-BD-Version machen.

70-Millimeter-Filme sind nah dran

Ähnliches gilt für Filme mit 70mm-Aufnahmen. Z. B. bei Filmen mit im IMAX-Format aufgenommenen Szenen, wie z. B. Zack Snyders Batman v Superman – Dawn of Justice (2016), Francis Lawrences The Hunger Games – Catching Fire (2013) oder J. J. Abrams‘ Star Trek – Into Darkness (2013). Bei solchen Filmen hat man zumindest in den IMAX-Szenen deutlich bessere Bildqualität.

Es gibt natürlich auch viele andere Filme, die in 2.8K oder 3.4K aufgenommen sind. Hier wird nicht ganz effektive 4K-Auflösung erreicht, aber sie ist immer noch besser als die einer 2K-Blu-ray und die Farbschattierungen sind wegen HDR normalerweise auch subtiler. Beispiele sind z. B. der neue Ghostbusters-Film (2016) von Paul Feig oder Teenage Mutant Ninja Turtles (2) Out of the Shadows (2016) von Dave Green.

Animationsfilme sind schwer zu beurteilen

Animationsfilme sind für mich noch etwas schwer zu beurteilen: Ice Age (5) Collision Course von Mike Thurmeier (2016) hat keine viel bessere effektive Auflösung auf der UHD-BD als auf der HD-BD. Die Farbschattierungen sind wieder subtiler, aber das HDR macht IMHO auch die Felle einiger der computeranimierten Mammuts im wahrsten Sinne des Wortes etwas zu blond.
Grundsätzlich wäre es gut, solche Filme auch in 4K zu rendern.

Das Kriterium, ob es von der Auflösung her lohnt, Filme in 4K herauszubringen, ist aber leider oft sekundär. Es gibt z. B. meiner Meinung nach viel zu viele Filme, bei denen stattdessen nur Popularität oder Aktualität als Kriterium gilt. Wenn ein Film in 35mm gedreht ist, wird ihm schon eine normale 2K-Blu-Ray meistens mehr als gerecht. Vielleicht kann HDR noch etwas besseren Kontrast oder mehr Farbabstufungen herauskitzeln, aber film grain ist dafür oft auf störende Weise sichtbar.

Im Zweifel lieber weniger Details

Auch ich bin kein Befürworter der Methode, den grain (das Filmkorn) auf Kosten feiner Bilddetails digital „herauszufiltern“, aber wenn das Bild krisseliger aussieht, ohne dass ich darin mehr Details erkennen kann, sehe ich darin nur einen Nachteil. Beispiele hierfür sind Labyrinth (1986) von Jim Henson, Suicide Squad (2016) von David Ayer und Underworld (2003) von Len Wiseman. Bei den letzten beiden gibt es auch nur die Kinoversionen in 4K + HDR. Die Extended Editions sind hier jeweils auf einer zusätzlichen 2K-BD beigelegt. Was soll das?

Ganz besonders unverständlich ist mir Sonys Veröffentlichungspolitik bei den Amazing Spider-Man Filmen. Beide haben ein 4K digital intermediate. Das ist schon mal gut. Aber der erste ist in 5K gefilmt und der zweite in 35mm. Und welchen der beiden gibt es als UHD-BD? Den Zweiten. Warum? Okay, der Film sieht so nicht schlecht aus, aber der Erste würde aus diesem Format deutlich mehr Bildqualität herausholen. Warum gibt es also ausgerechnet den nicht in UHD? Soviel ich weiß, war die Fortsetzung auch nicht erfolgreicher als der erste Teil.

Hobbit Trilogie würde sich für 4K empfehlen

Warner Home Video hat die Harry Potter Filme auf UHD-BD angekündigt, zumindest in Nordamerika. Dort sollen die letzten vier Teile Ende März zusammen mit ihrem Prequel Fantastic Beasts and Where to Find Them herauskommen. Ergibt das Sinn? Für das in 3.4K gefilmte Prequel bestimmt. Aber für die in 35mm gedrehten Harry Potter Verfilmungen weniger.

Was soll Warner sonst machen? Wie wäre es mit einer  4K-Blu-Ray Version der Hobbit-Trilogie von Peter Jackson, am besten als Extended Editions? Diese sind bekanntlich in 5K und 48fps gedreht. Das würde sich lohnen. Falls jetzt jemand einwenden möchte, dass sie nur in 2K gemastert sind, lautet meine Antwort: Ja, für’s Kino schon. Aber das gilt z. B. auch für Ender’s Game, dessen Master für die 4K-BD ganz klar 4K hatte. Für die fantastische Bildqualität dieser Scheibe gibt es keine andere Erklärung.

Disney zögert immer noch

Ganz besonders schade finde ich es, dass Disney immer noch keine UHD-BDs irgendwelcher Filme angekündigt hat. Besonders bei den neuen Star Wars– und Second und Third Phase Marvel Cinematic Universe Filmen, die alle zumindest teilweise in 70mm oder mindestens 2.8K aufgenommen sind. (Es ist zwar aktuell eine UHD-BD-Version der Iron Man Trilogie angekündigt, aber nicht von Disney, sondern von Concorde Home Video.)

Auch einige ältere Filmklassiker wurden in 65mm oder 70mm gedreht. Beispiele hierfür sind die 60er-Jahre-Musicals West Side Story (1961) von Jerome Robbins und Robert Wise und My Fair Lady (1964) von George Cukor oder Monumentalfilme wie z. B. Cleopatra (1963) von John L. Manciewicz. Andere jüngere Beispiele sind Steven Lisbergers Tron von 1982 und Kenneth Branaghs fast ungekürzte Hamlet-Verfilmung von 1996. Diese sehen auf HD-BD schon fantastisch aus und würden auf UHD mit Sicherheit noch besser. Man kann an solchen Beispielen also sehen, dass 4K-Blu-Rays auch für manche älteren Filme besser geeignet wären als für viele neue.

Riesiges Potential nicht verschenken

Mein Fazit hier ist, dass das Format 4K Ultra-HD Blu-Ray ein riesiges Potential hat. Es könnte das ultimative Heimkino-Format werden. Aber im Gegensatz zu DVDs und 2K-HD-Blu-Rays, wo die maximale Bildqualität von fast jedem Kinofilm voll genutzt werden kann, hat die 4K-UHD-Blu-Ray im Prinzip eine zu hohe potentielle Bildqualität für viele Kinoproduktionen.

Etliche der Scheiben werden in der Praxis dem Potential des Formats nicht gerecht. Das führt zu Frustration beim Kunden und könnte den Erfolg dieses Formats gefährden. Deshalb wäre mein Appell an die Home Video Firmen, weiterhin 4K-BDs herauszubringen, aber mit Priorität auf Filme, denen 2K-BDs nicht gerecht werden können. Da UHD-BD-Player abwärtskompatibel sind, können wir alle auch unsere DVDs und HD-BDs darauf noch abspielen.