Mittlerweile ist es ja so, dass eigentlich jeder Mensch, der sich einen neuen 4K-Fernseher kaufen will, ganz selbstverständlich voraussetzt, dass dieses Gerät HDR an Bord hat. Seitens der Hersteller und der Industrie wird ja mit feurigem Eifer suggeriert, dass das der Standard der Zukunft sei und erst die immer radikaleren Kontrast-Steigerungen ein „natürliches Bild“ möglich machen.

Die Begriffe HDR10 als Standardverfahren und Dolby Vision – sozusagen als Luxusausführung – nimmt man mittlerweile in den Mund, ohne groß darüber nachzudenken. Aber worüber sprechen wir eigentlich? Was ist der große Unterschied? Gibt es überhaupt einen? Dieser Artikel soll ein Versuch sein, das Mirakel HDR ein wenig aufzudröseln.

Leuchtdichte gewinnt zunehmend an Bedeutung

Gleich zu Anfang gebe ich zu, mich stark an einem Beitrag zu orientieren, den Frank-Oliver Grün für Digitalzimmer.de verfasst hat. Vereinfacht ausgedrückt, geht es bei beiden Verfahren um hohen Kontrastumfang und größeren Farbraum. Und gerade jetzt, nach der CES 2017, um die Leuchtdichte der Flatscreens. Faustformel: je heller, desto doller. Angaben erfolgen mal in Nits – einer eher antiquierten Bezeichnung – mal in Candela, der aktuellen Maßeinheit.

Unterschiede gibt es so gut wie nicht. Bei HDR10 und Dolby Vision ist das anders. Beide Verfahren funktionieren nur, wenn das Videosignal entsprechende Informationen enthält. Streng genommen, handelt es sich gewissermaßen um Decoder. Zwar ließen sich Kontrast- oder Farbumfang auch nachträglich im Gerät erweitern, aber das würde unnatürlich bunte Bilder und merkwürdige Helligkeitsunterschiede mit sich bringen.

Initiative von TV-Herstellern

Details, die in der Übertragung fehlen, kann der Fernseher nicht „erfinden“. Das Format HDR10 geht auf eine Initiative der TV-Hersteller Samsung, LG und Sony zurück und ist 2015 vom Industrieverband CTA (Consumer Technology Association) als HDR Media Profile verabschiedet worden. Es gehört außerdem zu den Spezifikationen für die Ultra HD Blu-ray. Das heißt: Alle UHD-BD-Player müssen den Standard beherrschen. Auch Netflix und Amazon streamen Inhalte in HDR10.

HDR10 arbeitet mit einer maximalen Helligkeit von 1000 Nits und hat eine Farbauflösung von 10 Bit. Eine Milliarde Farbtöne lassen sich auf diese Weise darstellen. Zum Vergleich: Im klassischen HDTV waren es läppische 16 Millionen. Die zusätzlichen Informationen werden als sogenannte Metadaten im Signal übertragen. An HDMI-Geräten wie Blu-ray-Playern oder Fernsehern ist dafür eine aktuelle Schnittstelle der Version HDMI 2.0 nötig.

Zwei Bits mehr für 68 Milliarden Farben

Die HDR-Variante von Dolby spielt in einer ganz anderen Liga. Um ein optimales Bild zu erreichen, arbeitet Dolby Vision mit 12 Bit, was einem Sprung auf 68 Milliarden Farben entspricht. Außerdem ist das System für Bildschirme mit bis zu 10000 Nits spezifiziert. Hinzu kommen wesentliche Unterschiede bei der Übertragung.  Während HDR-10 mit statischen Metadaten arbeitet, sind die Zusatzinformationen bei Dolby Vision dynamisch. Das heißt: Der Bildingenieur kann die Steuersignale von Szene zu Szene anpassen – wenn es sein muss, sogar von Bild zu Bild. So lässt sich die Darstellung für Nachtaufnahmen oder grelles Tageslicht gezielt optimieren. HDR10 muss dagegen einen Kompromiss für den kompletten Film finden.

Algorithmen stimmen das Leistungsprofil ab

Zweiter Unterschied: Ein Fernseher mit Dolby Vision interpretiert die Metadaten so, wie es für den Bildeindruck am besten ist – ganz gleich, wie viele Nits oder Farben sein Display schafft. Algorithmen im Gerät rechnen die Vorgaben auf das Leistungsprofil des Schirms um. Damit soll das Ergebnis auf einem OLED-Fernseher mit 600 Nits genauso überzeugend aussehen wie auf doppelt so hellen LED-TVs.
Auf lange Sicht dürften Online-Dienste, die ihre UHD-Streams auf 20 Megabit pro Sekunde komprimieren, kein optimales Verkaufsargument für Dolby sein. Die Ultra HD Blu-ray mit einer maximalen Datenrate von 100 Mbit/s ist viel besser geeignet.

TV-Käufer sind mit Dolby Vision auf der sicheren Seite

Die technische Umsetzung soll wenig Probleme bereiten, weil Dolby Vision auf demselben SMTP-Standard aufsetzt wie HDR-10 (ST2084). Der Dolby-Code ist eine mit einer Lizenzgebühr gekoppelte Erweiterung des bestehenden HDR-Signals auf der Ultra-HD Blu-ray-Disc. Die gute Nachricht für TV-Käufer: Mit einem Gerät, das Dolby Vision unterstützt, sind sie auf der sicheren Seite. Denn HDR-10 haben diese Modelle sowieso an Bord.