Geht der Trend bei Canon jetzt „etwas eindeutiger“ in Richtung 4K? Schwer zu sagen. Selbst bei professionellen DSLR-Modellen und Camcordern ist Ultra-HD-Auflösung im Videobereich keine  Selbstverständlichkeit. In der Einstiegs- und Mittelklasse ist man gezwungen, sich mit Full-HD zu begnügen.

Mit der Einführung der 4K/50p Modelle XF405 und XF400 erweitern die Japaner jetzt ihre professionelle Camcorder-Serie. Beide Geräte erwecken auf den ersten Blick allerdings nicht den Eindruck, für den harten, alltäglichen Einsatz geschaffen zu sein. Außerdem gleichen sie wie ein Ei dem anderen. Aber der Reihe nach.

Neues 4K Canon-Zoom

Die Preise für die im November im Handel erhältlichen Neuzugänge liegen mit 3699 Euro für den „großen“ XF 405 beziehungsweise 3199 Euro für den XF 400 im moderaten Bereich. Die Gehäuse sind kompakt und leicht, haben es im wahrsten Sinne des Wortes aber in sich.

Eingebaut wurden ein neu entwickeltes Objektiv mit 15fachen optischem Zoom (äquivalent KB-Vollformat: 25,5mm bis 382,5mm), großem 1,0-Zoll-Typ CMOS-Sensor und dem Dual DIGIC DV 6 Bildprozessor für hochwertige 4K/50p Aufnahmen über den gesamten Brennweitenbereich.

Ein wichtiges Detail

Die Lichtstärke ist natürlich variabel und reicht von Blende 2,8 bis Blende 11. Die kürzeste Verschlusszeit liegt bei einer 2/1000tel Sekunde. Wichtig für Brillenträger: Der Sucher verfügt über einen Korrekturbereich von +2 bis minus 5 Dioptrien.

Fast ein wenig schüchtern wird in der Presse-Mitteilung ein 0,8facher Weitwinkel- sowie ein 1,5fach Telekonverter erwähnt. Hier stellt Canon sein Licht unter den Scheffel. Denn durch den schaltbaren „Zugewinn“ eines 20-Millimeter Weitwinkels sowie eines 573er Tele-Objektives wird die Einsatz-Flexibilität sowie die Abdeckung in 4K und Full-HD enorm aufgewertet.

Integrierter ND-Filter

Der fünfachsige Bildstabilisator reduziert Verwacklungsunschärfen. Ein integrierter ND-Filter ermöglicht es, mit der XF405 und der XF400 Aufnahmen mit attraktiver Hintergrundunschärfe zu erstellen, selbst wenn die Sonne scheint. Zwei SD-Speicherkartenslots lassen sowohl die fortlaufende, als auch die gleichzeitige Aufnahme (Backup) zu.

Zu den Schnittstellen bei XF405 und XF400 gehören HDMI, ein professioneller XLR-Audioanschluss, LAN und eine Buchse für eine Fernbedienung. Über das interne WLAN sind die FTP-Datenübertragung sowie die Fernsteuerung des Camcorders über den Browser eines Mobilgeräts möglich.

Da liegt der Hund begraben!

Der XF405 bietet zudem einen 3G-SDI-Ausgang – was den doch recht bemerkenswerten Preisunterschied von 500 Euro erklären dürfte. SDI ist nach Definition von Canon die Standardverbindung im Bereich der professionellen Videoproduktion. SDI wird in den Fernsehstudios eingesetzt und stellt den unkomprimierten Bilddatentransport in Echtzeit sicher – sei es bei der Livesendung oder am Schnittplatz.

Neben den professionellen Studiokameras sind hiermit auch Studiomonitore, Aufzeichnungsgeräte unterschiedlicher Formate und Verteilersysteme (Switches) ausgerüstet, über die sich diverse Kameras in einer Mehrkamera-Aufzeichnung steuern lassen.

Unkomprimierte Übertragung

Per SDI wird unkomprimiertes SD- oder HD-Videosignal in 8-Bit Quantisierung und mit 4:2:2 Abtastung übertragen. Während der Datenstrom für ein herkömmliches SD-Videosignal bis zu 270 Mbps erreichen kann, liegt der Datenstrom für ein HD-Videosignal bereits bei 1,485 Gbps (Gigabit pro Sekunde).

XF405 und XF400 unterstützen UHD/50p im MP4- und im XF-AVC Format (150 Mbps). Das Canon 4K-Objektiv wurde speziell auf den Ein-Zoll-Typ-Sensor abgestimmt und verfügt über Super UD-Linsen, um chromatische Aberrationen zu minimieren. Damit ist ein durch die Linsen eines Objektives verursachter Abbildungsfehler gemeint, der in Form von farbigen (meist Cyan oder Magenta) Schatten um ein Bildmotiv herum und besonders bei harten Kontrasten und Hell-/Dunkel-Übergängen in Erscheinung tritt.