Im Jahr 1920 war es soweit: die damals entdeckten, erforschten und entwickelten Techniken und Verfahren legten den Grundstein für Hörfunk und Fernsehen. Egal, ob in analoger oder inzwischen überwiegend digitaler Technologie – die physikalischen Grundlagen sind identisch.

Auch andere, moderne Anwendungen wie beispielsweise die drahtlose Übertragung von Video- und Audiosignalen sowie digitalen Daten aller Art mit Hilfe von lokalen Netzwerken (WLAN = wireless local area networks) oder die Identifizierung von Produkten in Lagern oder Läden über die RFID–Technik (radio frequency identification = Radiofrequenz Identifikation) basieren auf den Grundlagen der vor mehr als hundert Jahren gesetzten Meilensteine der Rundfunktechnik.

Drei runde Geburtstage

Um genau zu sein, verzeichnet das Geschichtsbuch der Rundfunkentwicklung für das Jahr 2017 drei „runde Geburtstage“ bedeutender Entwicklungen: Vor 130 Jahren wies Heinrich Hertz die Wellenausbreitung nach, vor 120 Jahren konnten Funkwellen aufgrund vieler technischer Verbesserungen die Entfernung von 21 Kilometern überbrücken, vor 110 Jahren lauschte das deutsche Kaiserpaar erstmals der drahtlosen Musikübertragung und vor hundert Jahren konnte 60 Kilometer weit gesendet werden.

 

Der Physiker Heinrich Hertz etablierte im Jahr 1887 eine technische Entwicklung, die aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Er bewies, dass sich unsichtbare Elektromagnetwellen wie Licht ausbreiten.
Der so genannte „Hertzsche Oszillator“ konnte Wellen erzeugen, die auf der Empfängerseite Funken hervorriefen. Dieser Tatsache verdanken wir auch die Begriffe „Funk“ und „Rundfunk“.

Größere Distanzen als „Hürden“

Dem Nachweis der Wellenausbreitung durch Heinrich Hertz gingen zahlreiche Überlegungen und Forschungen voraus. Beispielsweise vom schottischen Physiker James Clark Maxwell, der 1865 erklärte: „Elektrische Wellen verbreiten sich wie Licht“.

In den Jahren zwischen 1887 und 1897 gab es weitere Versuche, Forschungen, Entwicklungen und Entdeckungen, bis es dem deutschen Wissenschaftler Adolf Slaby und seinem Assistenten Graf Georg Wilhelm von Arco gelang, größere Distanzen zu überbrücken.

Kaiserpaar lauschte entzückt

Entscheidende Verbesserungen an den funktechnischen Apparaten erlaubten es, im Jahr 1897 eine Verbindung über die Entfernung von 21 Kilometern zwischen Schöneberg und Rangsdorf bei Berlin herzustellen.
Das dritte historische Ereignis datiert auf 1907. In diesem Jahr führten Slaby und Arco dem deutschen Kaiserpaar in Berlin die drahtlose Übertragung von Musik vor. Zuvor hatten zahlreiche Technikpioniere Sender, Verstärker und Empfänger erfolgreich optimiert.

Ein wiederbelebter Hertz-Dinosaurier aus der Kaiserzeit

 

Die weitere Entwicklung ging rasant voran. Einen großen Anteil daran hatte die Verwendung von Kathodenröhren. 1917 testeten Hans Bredow und Alexander Meißner die Reichweite von Röhrensendern. Sie stellten fest, dass ihre Programme in bis zu 60 Kilometern Entfernung empfangen wurden. Dies führte in einem Referat am 16. November 1917 zu Bredows Prophezeiung „Rundfunk an alle“. Im Jahr 1920 war es dann soweit.

[Quelle: gfu]